Gibt Google auch meine Daten preis?

15.11.2012

Im Internet geht so schnell nichts verloren, weder peinliche Fotos noch verbale Wutausbrüche in Foren oder Blogs. Dessen sollte man sich bewusst sein, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Datenanfragen bei Google stetig steigt.

Allein in der Bundesrepublik hat der Konzern im ersten Halbjahr 2012 auf Anfragen von Behörden und Gerichten die Daten von 2.007 Nutzerkonten weitergeleitet. Weltweit waren es laut Google-Transparenzbericht fast 21.000 Fälle.

 

Ganz vorne mit dabei: die USA. Hier stehen 7.969 Verfügungen zu Buche. In Indien waren es 2.319, in Brasilien 1.566 und in Frankreich 1.546. Deutschland kommt mit 1.533 Verfügungen auf Platz fünf. Betroffen davon waren, wie bereits erwähnt, 2.007 Konten. Dabei hat Google gerade einmal 39 Prozent der Anfragen beantwortet.

 

Der Anstieg lässt die Vermutung zu, dass Datenschutz anscheinend neu definiert wird. „Wir reden hier von demokratischen Staaten“, macht William Echikson, Leiter des Google-Transparenzbüros in Brüssel, deutlich. Auf der einen Seite setze man sich für den Datenschutz gegenüber Unternehmen ein. Andererseits nehme man immer öfter Einblick in die Daten der Bürger.

 

Welche Brisanz der Datenzugriff haben kann, zeigt der Fall des Ex-CIA-Chefs David Petraeus. Es waren einige wenige E-Mails, von denen eine Frau sich belästigt fühlte. Sie wandte sich an einen Freund beim FBI. Der drehte am Räderwerk und ließ im Rahmen des Cyberstalking-Programms ermitteln. Dabei stieß man ganz zufällig auf das Google-Konto der Journalistin Paula Broadwell und deren Affäre mit Petraeus. So schnell kann´s gehen. Dabei müssen es nicht einmal Geheimdienstdaten sein, die einer Person das Genick brechen. Manchmal reichen schon unbedachte Äußerungen in E-Mails. Denn: Das Internet vergisst nicht.