Warum schnüffelte Google in den WLAN-Netzen?

30.04.2013

145.000 Euro Strafe zahlt ein Konzern wie Google in der Regel aus der Portokasse. Das Bußgeld an sich wird den Internetriesen daher kaum schmerzen, wohl aber der Vertrauensverlust, der damit einhergeht. Denn zahlen musste Google, weil während der Aufnahmen für den Kartendienst StreetView nicht nur Fotos gemacht, sondern gleichzeitig auch die Daten unverschlüsselter drahtloser Netzwerke gespeichert wurden – angefangen bei E-Mails über Chatprotokolle und Bilder bis hin zu Passwörtern.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar erklärte dazu: „Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dem Sachverhalt um einen der größten bislang bekannt gewordenen Verstöße überhaupt.“ Tatzeitpunkt waren die Jahre 2010 bis 2012. Seinerzeit waren die Fahrzeuge des Suchmaschinenbetreibers auf den Straßen unterwegs, auch in Hamburg. Dort hat der Weltkonzern seine deutsche Filiale. Zugutehalten muss man Google, dass die Tat nicht vertuscht wurde, wenngleich es einige Zeit gedauert hat, bis man sich zu dem Vorfall äußerte. Das Unternehmen habe das Fehlverhalten eingeräumt und aktiv bei der Aufklärung mitgewirkt, so die Datenschutzbehörde.

Als Grund für die Datenpanne nannte Google das Versagen interner Kontrollmechanismen. Laut der amerikanischen Aufsichtsbehörde FCC habe ein Mitarbeiter die Datenspeicher-Funktion in die Software integriert. Genutzt worden seien die Daten nach Aussagen aus der Konzernzentrale allerdings nicht. Trotzdem muss Google zahlen. In den USA wurde für den gleichen Sachverhalt eine Strafe von 5,4 Millionen US-Dollar verhängt. Dagegen wirken die 145.000 Euro in Deutschland vergleichsweise harmlos. Johannes Caspar befürchtet, dass das Missbrauchspotenzial mit derlei „Discountpreisen“ kaum gebändigt und damit auch die Durchsetzung des Datenschutzrechts nur schwer realisiert werden kann.