Börsenskandal: Welche Kundendaten konnten Bloomberg-Journalisten einsehen?

15.05.2013

Die Börse lebt von Informationen. Sie treiben Kurse nach oben oder lassen Aktien ins Bodenlose fallen. Dafür reichen meist schon kleine Nuancen. Deshalb gilt Diskretion unter Börsenprofis als Tugend und ist es absolut unverständlich, warum die Journalisten des Finanzdienstleisters Bloomberg freien Zugriff auf vertrauliche Kundendaten hatten. Der Skandal zieht weite Kreise und beschäftigt nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Notenbank Fed und das US-Finanzministerium. Sie klären jetzt, ob abgesehen vom Vertrauensverlust auch ein konkreter Schaden entstanden ist.

Zu den Hintergründen: Die Computerterminals von Bloomberg gehören zu den wichtigsten Werkzeugen für Börsenprofis. Sie dienen als Standleitung an die Aktienmärkte und werden vor allem von Banken, Fondsgesellschaften und Händlern in Anspruch genommen. Um sie nutzen zu können, müssen sich die Bloomberg-Kunden ins System einloggen. Dabei sammelt der Dienstleister eifrig Daten. Zum Beispiel, wer sich für welche Papiere interessiert. Der Skandal: Bislang war es den Journalisten des Unternehmens möglich, auf diese Daten zuzugreifen und Rückschlüsse daraus zu ziehen.

Dass die Datenbank offen wie ein Scheunentor stand, fiel erst auf, als eine Beschwerde von Goldman Sachs einging. Ein Bloomberg-Reporter hatte sich nach einem der Händler erkundigt, der schon lange nicht mehr an seinem Terminal aktiv war. Dadurch wurde der Stein ins Rollen gebracht. Inzwischen hat das Unternehmen die Lücke geschlossen. „Als der Fehler erkannt wurde, haben wir unverzüglich gehandelt“, so Bloomberg-Chef Daniel Doctoroff. Ohnehin sei für die Mitarbeiter – insgesamt beschäftigt der Dienstleister 2.400 Journalisten – nicht ersichtlich gewesen, welche Artikel gelesen wurden und über welche Papiere sich die Kunden informiert hätten. Um derlei Probleme in Zukunft ausschließen zu können, gebe es jetzt einen Datenschutzbeauftragten.