Vorsicht: Barbie spioniert im Kinderzimmer

19.03.2015

Dass eine Puppe Datenschützer in Rage bringt, kommt vermutlich nicht allzu oft vor. Denn normalerweise sind Puppen als Kinderspielzeug absolut harmlos, zumindest aus datenschutzrechtlicher Sicht. Mädchen ziehen Barbie und Co. neue Schuhe und Röcke an, spielen Teeparty und erzählen ihnen bisweilen von ihren Sorgen und Nöten. Genau an dieser sehr intimen Kommunikation setzt die Kritik an. Denn Spielzeughersteller Mattel hat seinem neuen Produkt „Hello Barbie“ nicht nur einen Lautsprecher, sondern auch gleich ein Mikrofon und einen WLAN-Anschluss verpasst, um jedes Wort aufzeichnen und übertragen zu können.

Was das soll? Auf diese Frage hat der Konzern bislang noch nicht wirklich geantwortet. Die Idee hinter Hightech-Barbie ist jedenfalls recht simpel: Die Puppe soll sich mit ihrer Besitzerin bzw. ihrem Besitzer unterhalten. Dazu wurden bereits einige Sätze programmiert. Im Rahmen einer Präsentation im Februar zeigte eine Mitarbeiterin, wie ein solches Gespräch aussehen könnte. Die Puppe fragte, was sie am liebsten mag, Essen, Mode oder Sehenswürdigkeiten. Auf die Antwort „Essen“ reagierte Barbie mit einer weiteren Frage, dieses Mal nach der Lieblingsspeise.

Daran ist noch nichts verwerflich. Aber: Mattel speichert die Unterhaltung und überträgt sie per WLAN auf die eigenen Server. Offiziell soll dadurch die Sprachsoftware verbessert werden. Eltern und Datenschützer befürchten allerdings, dass der Konzern die Antworten der Kinder für Marketingzwecke missbraucht. Angela Campbell, Juraprofessorin in Washington, erklärte: „Wenn ich ein kleines Kind hätte, wäre ich sehr darüber besorgt, dass seine vertraulichen Unterhaltungen mit seiner Puppe aufgezeichnet und analysiert werden.“ Ins gleiche Horn stößt die Kampagne für eine kommerzfreie Kindheit.

Wer Zugriff auf die Daten hat, wofür und wie lange sie auf den Servern bleiben, darüber schweigt Mattel. Der deutsche Ableger des Konzerns betont lediglich, dass ein Sicherheitssystem vorhanden sei. Damit hätten Eltern die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, ob die Gespräche mitgeschnitten und übertragen werden. In Deutschland und Europa wird man übrigens vergebens nach „Hello Barbie“ suchen. Sie kommt hierzulande wohl nicht in den Handel. Begründung: Kinder in den USA gehen angeblich deutlich lockerer mit Social-Media-Themen um.

Autor: Philipp Herold