Kuscht Google vor deutschen Datenschützern?

09.06.2015

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Der Bayerische Rundfunk nennt es eine „Charme-Offensive“, die FAZ einen „Kuschelkurs gegenüber Datenschützern“: Google hat die Kontoverwaltung für Nutzer und Gäste grundlegend überarbeitet.

Statt sich für jeden einzelnen Dienst wie Gmail oder Youtube erst durch dutzende Seiten klicken zu müssen, gibt es das gesamte Datenpaket jetzt an einem Platz. Kundenfreundlich ist dieser Schritt. Ob er tatsächlich aufgrund der Vorwürfe gegen die Datenschutzmentalität des Konzerns erfolgte, steht auf einem anderen Blatt.

Die Übersichtsseite nennt sich „mein Konto“ und ist auch für User erreichbar, die nicht bei Google angemeldet sind. Ohne Registrierung sind die Einstelloptionen allerdings begrenzt. Möglich ist zum Beispiel, die Personalisierung ganz auszuschalten. Das gilt selbstredend auch für Konto-Inhaber. Ihr Kontrollzentrum gliedert sich in drei Unterpunkte: die „Kontoeinstellungen“ (unter anderem Sprache und Speicherplatz), „Anmeldung und Sicherheit“ (hier geht es um Passworte und den Kontozugriff) sowie „Persönliche Daten und Privatsphäre“. Hier bietet Google Kunden eine Reihe von Instrumenten, „mit denen sie ihre Daten und ihre Privatsphäre schützen können“.

Warum der Konzern überhaupt Informationen sammelt, wird auf der Konto-Seite erklärt. Dort heißt es: „Dank der in Ihrem Konto gespeicherten Aktivitätsdaten werden Dienste noch individueller an ihre Wünsche und Bedürfnisse angepasst“. Wer darauf keinen Wert legt, kann jetzt relativ schnell und unkompliziert die entsprechenden Regler anpassen. Das betrifft neben den Suchanfragen auch den Standortverlauf und interessenbezogene Werbung.

Dass der Sinneswandel bei Google möglicherweise eine Reaktion auf die Kritik deutscher Datenschützer ist, lässt sich nicht gänzlich ausschließen. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Casper ist seinerzeit mit einer Verwaltungsanordnung gegen den Konzern vorgegangen. Ziel: Nutzer sollen „selbst über die Verwendung der eigenen Daten zur Profilerstellung entscheiden können“. Inwieweit die aktuelle Maßnahme die Wogen glättet, bleibt abzuwarten. Ein erster Schritt nach vorne ist es allemal. Jetzt ist es an den Verbrauchern, die neuen Funktionen auch zu nutzen.

Autor: Philipp Herold - externer Datenschutzbeauftragter