Bußgeld wegen Google Analytics? Warum viele Unternehmen handeln müssen

14.11.2019

Google Analytics hat, sobald es um Datenschutz geht, schon zahlreiche Unternehmen vor Herausforderungen gestellt. Seit längerer Zeit erfordert der datenschutzkonforme Einsatz des Webanalyse Tools gezielte Anpassungen. Das erst kürzlich gesprochene Cookie-Urteil des EuGH zwingt Seitenbetreiber dazu, die Situation neu zu bewerten und die Tool Konfiguration ggf. anzupassen.

Die eigentliche Problematik des Webanalyse Tools

Google Analytics kann Seitenbetreibern wertvolle Daten liefern. Hierfür muss es jedoch IP-Adressen verarbeiten, die wiederum als Daten mit Personenbezug einzustufen sind. Die bisherige Empfehlung lautete, das Webanalyse Tool in Verbindung mit einer Anonymisierung von IP-Adressen einzusetzen und ergänzend den Nutzern einen Opt-Out (zur Unterdrückung des Tools) anzubieten.

Das nun im Fokus stehende EuGH Urteil besagt, dass Seitenbetreiber nur solche Cookies ohne vorherige Einwilligung der Nutzer einsetzen dürfen, die für den Betreib der Website / des Services zwingend notwendig sind. Für die Webanalyse ist solch eine Notwendigkeit in den meisten Fällen nicht gegeben. Dies schiebt der automatischen Aktivierung von Google Analytics einen Riegel vor – und das bloße Anbieten des Opt-Out genügt nicht.

Stattdessen gilt es den Dienst in Verbindung mit einem Opt-In zu nutzen. Die Aktivierung ist also nur zulässig, wenn der Nutzer zuvor aktiv einwilligt hat. Realisierbar ist dies z.B. in Verbindung mit einem Cookie-Banner. Es räumt dem Nutzer die Möglichkeit ein, der Aktivierung bestimmter Cookies und damit der Verarbeitung seiner IP-Adresse zuzustimmen. Allerdings darf Google Analytics auf solch einem Cookie-Banner nicht in der Vorauswahl angecheckt sein, stattdessen muss der Nutzer den Haken selbst setzen.

Warum Seitenbetreiber die Situation nicht ignorieren dürfen

Noch immer gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich mit dieser Thematik nicht befasst haben und teilweise noch nicht einmal die IP-Anonymisierung in Verbindung mit einem Opt-In einsetzen. Zum Teil geschieht dies aus Unwissenheit, häufig jedoch aufgrund der Tatsache, dass Verstöße nur selten geahndet wurden.

Allerdings häufen sich die Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden. Verbraucher melden Websites, die Google Analytics in Verbindung mit einer unzureichenden Konfiguration einsetzen. Einige Behörden haben die Anzahl der bei ihnen gemeldeten Websites öffentlich gemacht. Bisher wurden bundesweit in Summe rund 200.000 Domains angeprangert.

Die Aufsichtsbehörden können und dürfen solche Beschwerden nicht dauerhaft ignorieren. Stattdessen haben sie ihnen nachzugehen und sich mit den Fällen auseinanderzusetzen. Oft dürfte dann festzustellen sein, dass ein Tracking der Nutzer erfolgt, obwohl keine Einwilligung vorliegt. Für betroffene Seitenbetreiber wird dies unangenehme Konsequenzen haben, insbesondere in Form von Bußgeldern.

Was tun?

Seitenbetreiber sollten prüfen, ob und in welcher Konfiguration sie Google Analytics einsetzen. Sofern keine IP-Anonymisierung erfolgt und keine Opt-In Lösung realisiert wurde, besteht Handlungsbedarf. Dies kann bedeuten die Nutzung des Dienstes generell in Frage zu stellen oder die Konfiguration anzupassen.