Auswertung von Sprachmitschnitten: Wenn Mitarbeiter der Techkonzerne mithören

23.08.2019

IT Sicherheit

Zahlreiche Nutzer des Google Assistant staunten nicht schlecht, als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass Mitarbeiter des Konzerns vereinzelt Sprachmitschnitte mithören. Diese Mitarbeiter können tiefe Einblicke in die Leben anderer Menschen erhalten, ohne dass Letztere davon wissen. Wie inzwischen bekannt wurde, verfahren andere Techkonzerne ganz ähnlich.

Im Fokus des Mithörskandals stehen vier Konzerne aus dem Silicon Valley, nämlich Amazon, Apple, Google und Microsoft. Alle vier Tech-Giganten stellen ihren Nutzern sogenannte Virtual Assistants zur Verfügung. Dies sind Systeme, die per Sprache gesteuert werden und es beispielsweise ermöglichen, das Smart-Home zu kontrollieren, Einkaufslisten zu verwalten oder Musik zu spielen. Betroffen sind die nachfolgenden Systeme.

  • Amazon: Alex
  • Apple: Siri
  • Google: Google Assistant
  • Microsoft: Cortana, Skype

Während sich viele Nutzer überrascht zeigen, wundern sich Experten kaum. Es wurde schon lange gemunkelt, dass die Techkonzerne mithören. Einige Experten sehen den eigentlichen Skandal auch nicht im Mithören, sondern in der fehlenden Transparenz. Weder in Nutzungsbedingungen noch in Datenschutzerklärungen wurden Nutzer über diese Form der Datenverwendung informiert. Stattdessen wurde dieser Punkt bewusst verheimlicht.

Exkurs: Warum Menschen mithören

Zugegeben, die Mitarbeiter von Amazon, Apple, Google und Microsoft belauschen Nutzer der virtuellen Assistenten nicht aus Vergnügen. Stattdessen geht es darum, IT-Systeme zu trainieren. Die besagten Techkonzerne setzen auf Machine Learning, d.h. auf Systeme, die eigenständig dazu lernen und somit besser darin werden sollen, menschliche Konversationen zu verstehen.

Die Voraussetzung hierfür sind möglichst große Mengen an Daten, die im Vorfeld gezielt aufbereitet wurden. Hier kommen die mithörenden Arbeitskräfte ins Spiel. Sie hören Konversationen mit, um anschließend Feedback zu geben bzw. Listen auszufüllen, mit deren Daten verschiedene IT-Systeme gespeist werden.

Mitarbeiter von Partnerunternehmen hören ebenfalls mit

Mittlerweile steht fest, dass einige der Techkonzerne die Mitschnitte aus Konversationen nicht alleine auswerten. Einige haben Unterstützung von außerhalb angeheuert, d.h. sie lassen sich von externen Unternehmen helfen. Einer der Konzerne lässt z.B. Sprachmitschnitte in Polen auswerten – und das von Personen, die im Home-Office arbeiten. Derartige Umstände dürften vor allem Kostengründen geschuldet sein.

Wie es weitergeht

Die Techkonzerne wissen um Risiken negativer Schlagzeilen. Allerdings befinden sie sich in einem Dilemma, sie können das Mithören nicht vollständig stoppen – ansonsten wäre es ihnen nicht möglich, ihre Technologien zu verbessern.

Dennoch haben einige der Konzerne, u.a. Apple und Google, bereits eingelenkt. Sie wollen das Mithören stoppen – wenn auch teilweise nur in Europa oder in Verbindung mit zeitlicher Begrenzung. Darüber, ob dies zum Schutz der Nutzer erfolgt oder es der Vermeidung größerer Bußgelder dient, kann nur spekuliert werden. Immerhin sind Datenschützer bereits aktiv geworden und könnten den Konzernen größere Unannehmlichkeiten bereiten.